Wildkräuter sammeln in der Stadt

Wildkräuter sammeln in der Stadt

Lektion 1: Die Grundlagen

Eine verlassenes Fabrikgelände aus dem 19. Jahrhundert, der Mittelstreifen einer vielbefahrenen Hauptstraße, ein öffentlicher Park: Nicht gerade die ersten Anlaufstellen für eine leckere und gesunde Mahlzeit. Doch wer weiß, wo und wonach man genau suchen muss, kommt selbst an den abwegigsten Orten in den Genuss unverhofft leckerer Überraschungen.
Foraging, oder ‚Nahrungssuche‘ wie es etwas ungelenk im Deutschen heißt, ist kein neues Konzept. Nicht selten begegnen einem beim Spaziergang im Wald Pilzsammler. Doch die Tatsache, dass sich – abgesehen von vereinzelten Beerensträuchern am Rande von Kleingartenkolonien – auch in der Stadt allerlei Essbares finden lässt, kam mir nie in den Sinn. Spätestens mit der New Nordic Cuisine, die das Konzept auf ein neues und nicht selten bespötteltes Level gehoben hat, wurden immer mehr längst vergessene und oft als Unkraut herabgewürdigte Wildkräuter in den kulinarischen Fokus gerückt. Bei vielen herrscht aber noch eine gewisse Skepsis beim Gedanken ihr Essen im wahrsten Sinne von der Straße zu sammeln: Was ist, wenn die Pflanzen verschmutzt sind? Wie kann ich sicher sein, dass ich mich nicht vergifte? Viele – durchaus berechtigte – Zweifel und Einwände lassen sich durch gezielte Aufklärung jedoch schnell entschärfen.
Da der Frühling mit Abstand die beste Jahreszeit ist, um bei einem entspannten Spaziergang durch die Nachbarschaft auf Wildkräutersuche zu gehen, haben wir für euch einen kleinen Leitfaden vorbereitet.

Rechtliches

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Fangen wir gleich mit dem Kleingedruckten an. Bevor du dich in die urbane Wildnis aufmachst, solltest du dich über die rechtliche Lage informieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Ausflug in einer Haftstrafe endet ist gering, doch kann das entwurzeln von Pflanzen auf und das unbefugte Betreten von Privatgelände eine Anzeige und Geldstrafe zur Folge haben. Wenn möglich, frage vorher um Erlaubnis. Das gilt auch, wenn der Ast des Kirschbaums über den Zaun ragt. Auch wer Unkraut wie Brennnesseln auf einem Privatgrundstück ohne Erlaubnis entfernt, macht sich übrigens strafbar. Ebenso besteht die Möglichkeit, dass die betreffende Pflanze unter Schutz steht. Eine entsprechende Übersicht bietet die Bundesartenschutzverordnung.

Etikette

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Außer um Erlaubnis zu fragen, gehört es ebenfalls zur guten Kinderstube stets nur so viel zu sammeln wie man auch in der Lage ist zu essen. Achte auch darauf nicht alle Blätter von nur einer, sondern immer von mehreren Pflanzen zu zupfen. So ist die Wahrscheinlichkeit größer, dass sie überleben.

Sicherheit

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Um eins klarzustellen: Die Wahrscheinlichkeit an einer Vergiftung zu sterben ist verschwindend gering. Trotzdem spricht nichts gegen eine adäquate Vorbereitung. Bevor du dich Hals über Kopf in die Wälder und Wiesen stürzt, melde dich für eine Wildkräuterwanderung an. In jeder größeren Stadt findest du entsprechende Angebote. Natürlich wirst du auch auf eigene Faust in der lokalen Stadtbücherei oder im Buchhandel fündig . Zum korrekten Identifizieren der Pflanzen unterwegs eignet sich ein hosentaschengroßes Büchlein am besten. Im Zweifelsfall iss nur die Pflanzen, bei denen du dir hundertprozentig sicher bist.
Der Faktor Sauberkeit ist selbstverständlich auch wichtig. Um unschönen Überraschungen („Hundetrüffel“) vorzubeugen, sammele stets so weit wie möglich über dem Boden. Wasche alle Kräuter gründlich vor dem Verzehr. Informiere dich auch – bestenfalls vor dem Sammeln – über die Landschaft und mögliche Kontaminierungsquellen, wie Industrieabfälle oder Abwasser .